Wie plündert der Aliyev-Clan das aserbaidschanische Erdöl?

Die Grundstuktur:

Der grösste Teil des aserbaidschanischen Erdöls gelangt durch Georgien und Russland auf den Weltmarkt, auch durch die Türkei durch den dortigen Mittelmeerhafen Ceyhan. Obwohl dieser Schritt auf den ersten Blick ein einfaches Geschäft zu sein scheint, handelt es sich in Wirklichkeit um ein sehr  komplexes und für die Öffentlichkeit rätselhaftes Geschehen. Denn für „Karussell“-Bewegungen und sehr diskrete Operationen haben viele angeblich aserbaidschanische Ölunternehmen, grosse finanzielle Netzwerke  und Offshore-Gesellschaften zusammen ein sehr komplexes Firmennetz gegründet.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die vom aserbaidschanischen Erdölministerium gegründete SOCAR (State Oil Company of Azerbaijan Republic) Marketing und Management Company das bekannte aserbaidschanische Erdöl auf dem Weltmarkt unter dem Namen „Azeri Light “ verkauft. Alle Operationen dieser Firmen werden von Chief Executive Adnan Ahmadzade koordiniert, der seinen Sitz an der Sabit Orucov Strasse 28 in Baku hat. Im Wettbewerb um eine kostengünstige Organisation der Export  Operationen hatte bis von einigen Jahren die deutsche Firma „Select Energy GmbH“ den Zuschlag erhalten, aber jetzt hat ihn die „SUMATO Energy PTE Limited“.

Das im Jahr 2005 in Neuseeland eingetragene „SUMATO“-Unternehmen gehört nicht nur Ausländern, sondern auch einigen aserbaidschanischen Bürgern. In der Ausschreibung für Export–Operationen auf dem Weltmarkt hatte dieses Unternehmen durch Dumping–Methoden den günstigsten Kostenvoranschlag eingereicht. Es hat seine Büros in Singapur und Dubai. Gemäss den offiziellen Unterlagen könnte man zum Schluss kommen, dass alle Operationen in den Büros in Singapur organisiert werden. Die wichtigste Rolle in den „Karussell“-Operationen spielt „SUMATO“ mit ihrem Sitz in Singapur an der Penang Road 163, im 02-01 Winsland House II. Im Jahre 2011 wurde der Eintrag dieser Firma in Neuseeland aufgelöst und neu in Dubai registriert (also in den Vereinigten Arabischen Emiraten).

Die von „SUMATO“ vorbereiteten Verträge werden vom Geschäftsführer für Rohöl und Erdölprodukte in diesem Unternehmen unterzeichnet, Herr Lothar Tauschke. Interessanterweise wird aber die wichtigste Korrespondenz im Unternehmen von einem Azeri durchgeführt, Metin Talishli. Daher besteht kein Zweifel, dass das Unternehmen letztlich aserbaidschanischen Bürgern gehört.  Zugleich ist L. Tauschke auch Direktor von „SUMATO Energy Services SA“ in Genf, Schweiz, in der Rue du Commerce 9. Diese Firma ist die hauptsächliche Abnehmerin der Erdölprodukte aus Aserbeidschan. Gemass unseren Untersuchungen steht fest, dass M. Talishli nicht nur eine wichtige Person bei „SUMATO“ , sondern auch in einigen neu gegründeten Firmen in diesem Bereich ist. „Gronus Energy AG“ ist eine davon. M. Talishli gründete im Dezember 2012 mit L. Tauschke diese Firma in Baar (Kanton Zug, Schweiz). Sie ist eine der vielen Offshore-Firmen um SOCAR herum und im Bereich der Öl- und Gasindustrie tätig. Eine andere solche Firma ist „Petro Singapore Trading PTE“. Ihre wichtigsten Geschäftsbüros befinden sich in Baku in der Bakikhanov-Strasse 6, „Bridge Plaza“ in der 5. Etage. Ausserdem hat sie Büros in Berlin und in Dubai. Neben SUMATO ist „Petro Singapore“ eine wichtige Abnehmerin von aserbaidschanischen Erdölprodukten. Diese Firma hat im Jahre 2011 vom aserbaidschanischen Erdölministerium 45,5 Millionen Tonnen Rohöl und 400,000 Tonnen Erdölprodukte ge- und verkauft. Die Arbeitsweise dieser im Jahre 2010 gegründeten Firma ist typisch aserbaidschanisch. Die meisten Mitarbeiter dieser Firmen sind Aserbaidschaner.

Beim Kauf und Verkauf von aserbaidschanischem Erdöl wird eine wichtige Rolle von der  im Jahr 2008 gegründeten und in Genf (Schweiz) registrierten Firma „SOCAR Trading“ gespielt. Die aserbaidschanischen Behörden beharren darauf, dass „SOCAR Trading“ zum aserbaidschanischen Erdölministerium gehört. Aber in Wirklichkeit gehören die Aktien dieser Firma der in Malta eingetragenen Firma „Supra Holding“. Das aserbaidschanische Erdölministerium besass zu Anfag 50% der Aktien von „Supra Holding“. Die übrigen 50% gehörten zwei Offshore-Firmen: der in Dubai eingetragenen „Heritage General Trading FZE“ (40%) und der in den British Virgin Islands registrierten „Renfrel Holding AG“ an (10%).

Mit der Zeit gelangten etwa 80% der Aktien dieser angeblich privaten Firmen in den Besitz des aserbaidschanischen Erdölministeriums. Es ist kein Zufall, dass der Direktor von SOCAR Trading Valeri Golovushkin ist, der damals mit KGB-General Haydar Aliyev im KGB zusammengearbeitet hatte und später in Russland bei der grossen russischen Erdölgesellschaft „Lukoil“ tätig war. Der Sinn der Zusammenführung der Aktien ist, die getätigten Geschäfte einer möglichen Kontrolle auf der üblichen geschäftlichen Ebene zu entziehen, weil dann nicht mehr eine normale Firma vorliegt, sondern dahinter ein Staat steht – etwas ziemlich Unangreifbares.

Die von aserbaidschanischen Beamten gegründeten Offshore-Firmen.   

Es ist für niemand ein Geheimnis, dass in Europa, im Nahen und Fernen Osten, in Afrika, Russland und anderen Löndern eine grosse Zahl von SOCAR-Firmen existieren. In Georgien ist es „SOCAR Georgia“ und „SOCAR Trading“, in der Türkei „Petkim“ und „SOCAR Trading“, in Russland „SOCAR Trading“, in den Vereinigten Arabischen Emiraten „SOCAR Trading“, in Singapur „SOCAR Trading“, in Nigeria „SOCAR Trading“, und so weiter. Und obwohl die Schweiz nur ein kleines Land ist, gibt es hier „SOCAR Trading“, „SOCAR Black Sea“, „SOCAR Energy Switzerland“, „SOCAR  TAP“ und so weiter, mit ihren jeweiligen umfangreichen Tätigkeiten. Alles in allem ist das eine sehr grosse Zahl von rund um SOCAR herum entstandenen Offshore-Firmen. SOCAR Managment behauptet, dass diese Offshore-Unternehmen für den Export von Öl aus Aserbaidschan auf dem Weltmarkt besonders geeignet sind. Allerdings sind diese Firmen nicht nur interessiert, das aserbaidschanische Erdöl auf den Weltmarkten zu verkaufen. Diese Funktion erfüllen sie eher als eine unter anderen, viel wichtigeren. Denn genau liegt der Sinn dieser Firmen darin, aserbaidschanische Erdölprodukte von anderen Offshore-Firmen zu kaufen, welche zu SOCAR gehören.

Zu der Reihe der von aserbaidschanischen Beamten gegründeten Offshore-Firmen gehören auch die folgenden: „SUMATO Energy“, „Global Assistant“, „Black Stone“, „Gross Caspian“, „Ocean Energy“, „Middle East“, „Ray Factor“, „East Energy“. Die Direktoren dieser Firmen sind Ausländer (aus Sicht Aserbaidschans) aber nur formell, um die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen. Denn obwohl die Direktoren Ausländer sind, werden alle geschäftlichen Operationen von aserbaidschanischen Mitarbeitern durchgeführt, die meist Verwandte von hochrangigen Beamten des Regimes sind. Auf den ersten Blick erscheint also der Mechanismus als kompliziert. Aber er ist sehr einfach. Das aserbaidschanische Erdölministerium verkauft seine Produkte an seine Offshore-Firmen. Dann verkaufen die Offshore-Firmen die gleichen Produkte an SOCAR-Firmen. Im nächsten Schritt verkaufen die SOCAR-Firmen die gleichen Produkte an andere Offshore-Firmen. Und erst ganz zum Schluss gelangen die Produkte auf den Weltmarkt.

Von jedem Barrel gehen 20 USD in die eigene Tasche …     

Das aserbaidschanische Erdölministerium verkauft Erdöl und Erdölprodukte und kauft sie offenbar zunächst wieder, durch Stellvertreter. Die im Verlauf dieser Käufe und Verkäufe erzielten Gewinne unterstehen keiner Kontrolle und gehen direkt in die Taschen der beteiligten Beamten. Gemäss Schätzungen gehen so von jeden Barrel im Durchschnitt rund 20 USD  nicht in den Staatshaushalt, sondern in die Tasche der hochrangigen Mitarbeiter.

Nun sitzen L. Tauschke und M. Talishli beide in der Schweiz, in Genf  –  obwohl sie doch in Singapur bei  SUMATO Energy sein sollten, um dort die Verträge im Namen dieser Firma über Hunderttausende von Barrel abzuschliessen. So entsteht wieder eine wichtige Frage: Warum wird dieses Dispositiv gewählt? Die Antwwort ist einfach: Es ist nicht nötig, die Firma in Singapur zu führen, weil alle Unterlagen und der Firmenstempel sich in Genf bei SOCAR Trading befinden – genau wie auch die Unterlagen und Stempel der anderen Offshore-Firmen um SOCAR herum. Wenn es nötig wird, können sie in ein paar Minuten bei SOCAR in Genf Verträge abschliessen im Namen von Offshore-Firmen , wo mit Unterschrift, Stempel und Siegel „erfolgreich“ ein grosse Deal zustande gebracht wird. Bei SOCAR arbeiten nur Verwandte und ihnen nahestehende Mitarbeiter. Sie erhalten monatlich zwischen 12.000 und 15.000 USD als Lohn, weilen in Luxus-Wohnungen und fahren teure Autos, deren Preis zwischen 100.000 und 150.000 USD beträgt. Offenbar gehört das Vermögen des aserbaidschanischen Volkes nicht dem aserbaidschanischen Volk, sondern diesen SOCAR-Mitarbeitern.

Was hat die einfache aserbaidschanische Person vom Reichtum ihres Landes erhalten?           

In diesen Kaufs- und Verkaufsprozessen ist der interessante Moment jener der Zahlungen. Diese werden einen Monat nach dem Kauf oder Verkauf getätigt. Wir wissen dass die Nachfrage an Erdöl und Erdölprodukten in der Welt immer noch hoch ist, wobei es kein Problem ist, Abnehmer zu finden. Diese warten mit Bargeld vor der Tür. Nach den „Karussell“-Operationen gehen Erdöl und Erdölprodukte auf den Weltmarkt. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass diese Operationen mit Hilfe weltweit bekannter Banken durchgeführt werden – so etwa „BNP Paribas“, „Credit Suisse“, „UBS“, „ING“, „Banque Cantonale de Genève“, „Crèdit Agricole“, „Fortis“ usw. In der Tat ist es für diese Banken nicht so wichtig, ob die Gelder von SOCAR eher „schwarz“ oder „nicht schwarz“ sind. Die Machenschaften von SOCAR haben unter Geschäftsleuten zu verschiedenen Witzen geführt. Wir möchten betonen, dass die aserbaidschanische PASHA-Bank ein wichtiger Partner der Banque Cantonale de Genève ist.

Gemäss Statistik ist die Förderung des aserbaidschanischen Erdöls im Vergleich zu Januar 2012 um 2,35% gesunken und wird schon in naher Zukunft weiter sinken (peak oil). Damit entsteht die Frage: Was hat die einfache aserbaidschanische Person vom Reichtum ihres Landes erhalten?.

Surkhan Latifov
Internationale Vereinigung für Grundrechte und Justiz (mit Sitz in der Schweiz)
Mitglieder der Expertengruppe Forschung  
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